Das Jahr ist noch ganz frisch – Zeit für gute Vorsätze! Wie wäre es, wenn Sie dieses Jahr unter die Überschrift „Wertschätzung in unserem Betrieb" stellen? Schließlich wünschen sich alle Beschäftigten branchenübergreifend mehr Wertschätzung. Mitarbeiterbefragungen zeigen dies jedenfalls: Die Klagen über zu wenig Lob und Anerkennung sind weit verbreitet. Dabei weiß jeder, dass es sich in einer wertschätzenden Umgebung besser arbeitet. Man ist weniger angespannt; dadurch sinkt die Fehler- und Unfallgefahr; sicherheitsgerechtes Arbeiten wird erleichtert. Was können Sie also für eine wertschätzende Kultur in Ihrem Unternehmen tun?

 

Der Arbeitsschutz und seine Aufgaben haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Früher stand die Unfallprävention im Vordergrund, heute ist es die Gesundheitsförderung. Es geht also nicht mehr nur darum, gefährdende Einflüsse zu reduzieren, sondern auch darum, fördernde zu stärken; beide liegen nicht nur – wie man lange dachte – im technischen oder organisatorischen Bereich. Auch das soziale Leben eines Betriebes birgt gesundheitsfördernde und krankmachende Faktoren. Die Beschäftigung mit zwischen­menschlichen Themen ist für viele Fachkräfte für Arbeitssicherheit aber noch neu.

Kein Wunder also, dass sie in Gefährdungsbeurteilungen nur selten erfasst werden; überhaupt sind Gefährdungsbeurteilungen – obwohl gesetzlich vorgeschrieben – noch lange nicht in allen Unternehmen an der Tagesordnung. Dabei bilden psychosoziale Gesundheitsgefahren eine Subgruppe der psychischen Gesundheitsgefahren, die ihrerseits eine Subgruppe der arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren darstellen, wie Sie in der Abbildung sehen können. Die Grafik soll zeigen: Hier ist der Arbeitsschutz gefordert, denn zu dessen Aufgabenbereich gehört auch die Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen (sog. Erweiterter Präventionsauftrag).

Arbeits- und Gesundheitsschutz als Ausdruck von Wertschätzung?

Urs Näpflin von der SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) ist der Meinung: „Eine Betriebskultur, die auf Wertschätzung basiert, macht sich finanziell bezahlt." Wie kommt ein „Mann vom Arbeitsschutz" zu dieser Beobachtung? Ein gutes Klima dient auch der Unfallprävention und leichteren Wiedereingliederung nach einem Unfall: Wenn Menschen unter einem schlechten Betriebsklima leiden, erhöht sich ihre Anspannung. Sie sind verunsichert und machen schneller und häufiger Fehler. Ein gutes Betriebsklima demgegenüber gibt Sicherheit und senkt das Anspannungsniveau. Auf diese Weise reduziert es das Unfallrisiko.

Und es zeigt sich tatsächlich auch ein Zusammenhang zwischen dem Arbeits- und Gesundheitsschutz und der Wertschätzung in einem Betrieb. Wo Beschäftigte sich von ihrem Unternehmen und seinen Vertretern persönlich wertgeschätzt fühlen, verstehen sie Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (und übrigens auch Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement BGM) als Ausdruck von Wertschätzung und „glauben" die positive Intention; folglich ist die Akzeptanzquote der zugehörigen Maßnahmen hoch. Der Arbeitsschutz kann sich quasi voll entfalten, er erreicht viele Beschäftigte und wird von Erfolg gekrönt sein, wie auch immer man den definiert.

Wo sich die Leute hingegen (noch) nicht wertgeschätzt fühlen, fehlt auch (noch) die Akzeptanz der AuG-Maßnahmen. Und wenn die Kultur in Ihrer Organisation in der Vergangenheit geprägt war von der Betrachtung des Menschen als Kostenfaktor, dann müssen vielleicht Sie die Folgen ausbaden; denn dann wird jeder Hinweis auf Arbeitssicherheitsmaßnahmen als Kontrolle verstanden. Einsatz wie „Trage bitte Gehörschutz" kann deshalb je nach der vorherrschenden Kultur (und der Einstellung des Kollegen) dazu führen, dass sich ein Kollege wie ein kleines Kind bevormundet fühlt und womöglich trotzig reagiert („ich kann allein auf mich aufpassen!") – er kann aber auch als Ausdruck von Fürsorge empfunden werden („Es ist dem nicht egal, wie es meiner Gesundheit geht; ich bin dem wichtig").

Alarmsignale für mangelnde Wertschätzung

Woran erkennen Sie, wie es um die Wertschätzung in Ihrem Unternehmen bestellt ist? Wir haben Ihnen mal eine Liste zusammengestellt – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Checkliste „Alarmsignale für mangelnde Wertschätzung"
- morgendliche Begrüßung wird nur in den Bart genuschelt
- Kontakte werden vermieden; Einzelgängertum überwiegt
- Fehler werden verschwiegen / mit großem Aufwand verheimlicht
- Betriebsfeste werden schlecht besucht oder für überflüssig gehalten
- Worte wie „bitte" und „danke" haben Seltenheitswert
- Kollegen fühlen sich von Informationen ausgeschlossen
- es herrscht ein rauer Umgangston, anerkennende Worte fehlen
- jeder kümmert sich ausschließlich um den eigenen Aufgabenbereich
- Sozialräume oder Waschräume sind verdreckt

(Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung, Gefährdungsbeurteilung, Betriebsarztpraxis, Sozialberater-Tätigkeit, Betriebsratsarbeit)

Wir wünschen Ihnen, dass Sie möglichst wenig dieser Signale in Ihrem Betrieb wahrnehmen! Und falls doch, gibt es hier ein paar Tipps (diesmal etwas mehr als sonst), wie Sie dazu beitragen können, dass sich die Kultur in Ihrem Unternehmen stärker in Richtung Wertschätzung bewegen kann, indem Sie im ersten Schritt 2015 den Begriff aus der Mottenkiste herausholen:

Tipps, mit denen Sie zu einer Kultur beitragen, in der Wertschätzung selbstverständlich wird:

- Wenn Sie merken, dass Ihre Kollegen Wertschätzung anders definieren als Sie: Grenzen Sie den Begriff nicht unnötig ein. Das Wichtigste ist, dass Sie überhaupt drüber reden.
- Wenn Ihnen der Ausdruck zu altmodisch oder zu moralisch klingt, verwenden Sie stattdessen neutral wirkende Bezeichnungen wie „positives Feedback", „Bestätigung", „konstruktiver Umgang".
- Wenn jemand spöttisch die Augenbrauen hochzieht, sobald Sie das Wort Wertschätzung in den Mund nehmen, fragen Sie freundlich (!): „Freust du dich nicht, wenn du ...?"
- Wenn Sie Sprüche hören wie „Das ist doch Weiberkram!" oder „Ein Unternehmen ist kein Kuschelverein!", sollten Sie nüchtern, also ohne emotionalen Überschwang, die Wirkungen von Wertschätzung aufzeigen (vgl. hierzu auch Kapitel 2).
- Wenn Ihre Kollegen sich schwer tun: Erleichtern Sie ihnen, ihre Bedürfnisse in Sachen Anerkennung zu artikulieren, indem Sie von sich selbst sprechen: „Also, mir tut das gut"
- Wenn sich jemand lustig macht über anerkennende Äußerungen, können Sie sagen: „Beim Fußballtor und Robbie-Williams-Konzert klatschst du doch auch Beifall!" oder „Und bei deinen Kindern genauso!"
- Wenn Sie fürchten, dass Ihre anerkennenden Äußerungen auf die anderen anbiedernd wirken: Sprechen Sie stattdessen Ihren Dank für erbrachte Leistungen aus.
- Wenn Ihnen selber anerkennende Äußerungen schwerfallen: Übertragen Sie Verantwortung (= Wertschätzungsvariante für harte Kerle). Sie zeigen damit An-Erkennung im eigentlichen Sinne: Ich sehe und erkenne deine Leistung und dich.

In diesem Sinne: Ein herzliches „do care!"

Anne Katrin Matyssek und das gesamte BAAK-Team

Quellen:
Matyssek, Anne Katrin (2011): Wertschätzung im Betrieb. Impulse für eine gesündere Unternehmenskultur. Norderstedt: BoD.

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