„Nichts hört der Mensch lieber als seinen eigenen Namen" – diese Alltagsweisheit besagt keineswegs, dass wir alle Narzissten sind. Aber wir wollen auch am Arbeitsplatz als Mensch wahrgenommen werden. In der INQA-Studie „Was ist gute Arbeit" steht dieser Wunsch bei Beschäftigten ganz weit oben – und sogar noch vor dem Wunsch nach einer größeren Anerkennung der Leistungen! Wie lässt sich dieses Bedürfnis im Betrieb befriedigen?

 

Echtes Interesse am Menschen – ein Ausdruck von Wertschätzung!

Mit der Nennung des Namens von Gesprächspartnern zeigt man, dass man den anderen als Person (und nicht nur als Leistungserbringer) zur Kenntnis nimmt. Gleiches gilt für Fragen, auch nach harmlosen Dingen wie „Glauben Sie, dass die Borussen es in dieser Saison schaffen?" Hier geht es nicht um die Arbeit, aber um das Signal „Ihre Meinung ist mir wichtig!" – und das tut einfach gut. Man fühlt sich nicht mehr wie eine anonyme Nummer.

Von Kindern kennt man das: Sie stellen allerlei Unsinn an, nur damit man sich mit ihnen beschäftigt. Und auch im Betrieb gibt es manchmal „Krawallburschen", die sich Regeln widersetzen oder auf Arbeitsschutzvorschriften pfeifen – manchmal auch nur mit dem Zweck, endlich mal wieder persönlich angesprochen zu werden. Arbeitsschützern fällt es nicht immer leicht, dieses Signal hinter dem Fehlverhalten zu erkennen; aber der Blick hinter die Fassade kann lohnend sein!

Auch bei sicherheitswidrigem Verhalten – zeigen Sie Ihr Interesse an der Person!

Wenn Sie Kollegen dabei beobachten, dass sie auf Gehörschutz verzichten oder bei Absturzsicherungen schludern, könnten Sie einerseits direkt mit der Unfallverhütungsvorschrift argumentieren und Sanktionen androhen. Rechtlich wäre das einwandfrei. Aber nützen würde es vielleicht trotzdem nichts: Manche Menschen scheinen sich regelrecht über Fehlverhalten zu definieren ....

Hilfreicher ist ein Gespräch mit dem Tenor „Du bist mir so wichtig, dass ich mir jetzt Zeit für dich nehme. Ich brauche dich ja hier fit. Und damit du die Störgeräusche der Maschine hier weiterhin gut wahrnehmen kannst, solltest du echt die Stöpsel anziehen. Ich habe neulich erst gelernt, dass Gehörzellen nie wieder nachwachsen. Und du willst doch später noch deine Enkel hören können und nicht wie ein alter Opi stumm danebensitzen, oder? Also: grüne oder gelbe?"

Auf diese Weise zeigen Sie, dass Sie auch anders können als mit den Paragraphen drohen. Der Mensch liegt Ihnen am Herzen.

Die richtige Ausrüstung – was Sie tun können

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zusammen zu gehören scheint: Eine gut passende PSA wie etwa ein perfekt sitzender Schutzschuh, verschiedene Sorten von Gehörschutz oder die individuell ausgesuchte Schutzbrille (zum Beispiel in den Farben des Lieblings-Fußball-Vereins) – auch damit können Unternehmen zeigen, dass ihnen die Beschäftigten etwas wert sind. Schließlich würde dem gesetzlichen Anspruch auch eine Null-Acht-Fünfzehn-Ausrüstung genügen.

Aber genau dieses Eingehen auf individuelle Bedürfnisse entscheidet mit darüber, ob sich Kollegen im Betrieb ernst genommen fühlen oder nicht. Auch eine Ideenbörse kann dazu gehören, ein Betriebskindergarten, Mitsprache bei Urlaubszeiten oder Schichtplänen – eben alles, was zeigt: „Der Mensch zählt hier etwas!" bzw. eben „Ihr seid es uns wert, dass ihr euch hier wohl fühlt!"

Sofort-Tipps, mit denen Sie unaufdringlich Ihre Wertschätzung zeigen:
- Fragen Sie Kollegen nach ihrer Meinung, z.B. zu einem aktuellen Auftrag!
- Sprechen Sie einen Kollegen oder eine Kollegin mit Namen an!
- Erkundigen Sie sich nach dem Wohlergehen der Kinder!
- Setzen Sie sich mit ein für individuelle Lösungen, z.B. bei der PSA!

Wertschätzung im Betrieb – dazu gehört eben auch, dass man sich füreinander interessiert. Jedes Signal, das zeigt: „Du bist mir nicht egal", verbessert das Betriebsklima. So kann jede/r dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz ein Ort wird, an dem man sich auch als Mensch gesehen und aufgehoben fühlt ...

In diesem Sinne: Ein herzliches „do care!"

Anne Katrin Matyssek und das gesamte BAAK-Team

Quellen:
Matyssek, Anne Katrin (2014): Rundum sicher + gesund arbeiten. Wie Sie als Arbeitsschützer der Arbeitsmediziner das betriebliche Gesundheitsmanagement voranbringen. Norderstedt: BoD.

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