Anne Katrin Matyssek

„Ich hab Rücken“, sagt die Kult-Figur Horst Schlämmer – und fasst sich ans Kreuz. Und er ist nicht allein. Noch immer liegen branchen-übergreifend die Muskel-Skelett-Erkrankungen an Nummer 1 der Krankheitsstatistik. Aber hinter Rückenschmerzen kann sich vieles verbergen. So konnte etwa die AOK an über 10.000 Versicherten zeigen: Je besser das Betriebsklima ist, desto weniger Leute haben Rückenschmerzen. Wie kommt das?

Körper und Seele – ein Zusammenspiel

In einem guten Betriebsklima fühlt sich der ganze Mensch wohl – vom Kopf bis zu den Füßen. Man hat Lust, zur Arbeit zu kommen, freut sich aufs Zusammensein mit den Kollegen, erlebt Erfolge – man blüht auf. Umgekehrt kann ein schlechtes Betriebsklima das Wohlbefinden beeinträchtigen. Nicht nur die Psyche reagiert hierauf, z.B. durch den morgendlichen Unwillen, ins Werk zu gehen; oder durch Gefühle von Niedergeschlagenheit oder Ärger über die Kollegen. Auch der Körper zeigt Reaktionen, und zwar von Mensch zu Mensch verschieden: Der eine reagiert mit Muskelverspannungen, der zweite mit Bauchschmerzen, der dritte mit Schwindel, Atemnot oder Schlafstörungen. Allen gemeinsam ist: Sie bewegen sich weniger.

Und die fehlende Bewegung hat Folgen. In einem schlechten Betriebsklima sitze ich als Mitarbeiter quasi in Hab-Acht-Stellung mit hochgezogenen angespannten Schultern am Arbeitsplatz oder stehe die ganze Zeit an meiner Werkbank und bewege mich kaum von meinem Platz weg. Die Folge dieser „Starre“: Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich oder im Bereich der Lendenwirbelsäule. Langanhaltende Ver­­­­spannungen sorgen für eine Unterversorgung der Muskeln. Das Resultat: Schmerzen.

Raus aus der Schonhaltung – rein in den Kontakt zu den Kollegen!

Wenn Muskeln schmerzen, neigen wir zur Schonhaltung und bewegen diese Muskulatur erst recht nicht. Dabei wäre gerade Bewegung nötig, um die verspannten Muskeln mit Nährstoffen zu versorgen. Das ist der Beginn eines Teufelskreises von noch mehr Verspannung und noch mehr Schonung. Hinzu kommt: Wer Schmerzen hat, ist in dem Moment wenig gesellschaftsfreudig. Er ist ja mit seinen Schmerzen beschäftigt und sucht nicht von sich aus den Kontakt zu Kollegen.

Dadurch wird das Betriebsklima unter Umständen weiter beeinträchtigt, wenn beispielsweise fehlendes Lächeln als Unfreundlichkeit aufgefasst wird. Ein Kollege, der griesgrämig an seiner Werkbank steht, ermuntert andere auch nicht, ihn anzusprechen oder abzuholen zum Gang in die Kantine. Er signalisiert ja: „Lass mich in Ruhe!“ Hierdurch fallen Ablenkungen, Lachen, Gemeinschaft als schmerzlindernde Faktoren weg. Dabei würde genau das dem rückenschmerzgeplagten Menschen gut tun.

Der Rücken und das Betriebsklima – was Sie tun können

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Übrigens sollten Sie jetzt bitte nicht hingehen und schlussfolgern: „Dass es in unserer Abteilung so viele Rückenkranke gibt, liegt also am schlechten Klima“ – so einen Rückschluss erlauben statistische Querschnittsstudien wie die von der AOK nicht. Schließlich sind Rückenschmerzen ja überall weit verbreitet. Aber Sie können mit dazu beitragen, dass sich das Betriebsklima weiter verbessert – und vielleicht haben Sie und die Kollegen dann auch weniger Rückenschmerzen, weil Sie sich mehr bewegen und mehr lachen.

Sofort-Tipps gegen Rückenschmerzen:

  • Einmal recken, strecken, dehnen! – Das durchblutet die Muskulatur.
  • Ein paar Schritte gehen! – Das versorgt den Rücken mit Nährstoffen.
  • Einfach Worte mit einem netten Kollegen wechseln! – Das lenkt ab.

Gesundheit ist eben mehr als nur das fehlerfreie Funktionieren der Organe: Auch das seelische und zwischenmenschliche Wohlbefinden gehören dazu. Dazu kann jeder beitragen – durch wertschätzendes Verhalten, durch Lächeln, durch Unterstützung. So wird der Zusammenhalt gestärkt und das Arbeiten zum Vergnügen …

In diesem Sinne: Ein herzliches „do care!“
Anne Katrin Matyssek und das gesamte BAAK-Team

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Quellen:
• Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO) (2000): Gesundheit am Arbeitsplatz. Bonn: WiDO.
• Matyssek, Anne Katrin (2012): Führung und Gesundheit. Ein praktischer Ratgeber zur Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb. 3. Auflage. Norderstedt: BoD.

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